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Story Rita

  

Als ich sechs Jahre alt war, wollte ich unbedingt Primaballerina werden, also habe ich meine Mutter bearbeitet, bis ich die Ballettschule von Frau Langer-Tolnay besuchen durfte. Aber es schien ein furchtbar langer und mühsamer Weg zu werden. Nach zwei Jahren Dehnen-und Positionen üben, fand ich meinen Traumberuf nicht mehr so erstrebenswert. Den Ausschlag haben jedoch meine Plies gegeben. Flach gegen die Wand gedrückt wände kontrolliert, ob Abstand zwischen Wand und Becken war. Wenn ja, pflegte sie den Kleiderbügel, den sie sonst zum Taktklopfen benutzte, zu nehmen, und ihn auf meinen Allerwertesten sausen zu lassen. So weit zur Primaballerina.

 
Mit fünfzehn besuchte ich eine Mädchenschule. Damals war es üblich, dass man in der letzten Klasse einen Tanzkurs besuchte, es gehörte einfach zum guten Ton und zur Ausbildung. Die meisten Madchen unserer Klasse meldeten sich an, so auch ich. Garbujo war damals die Tanzschule in Bern. Ein riesiger Saal und etwa fünfzig bis hundert Schüler pro Kurs, und das jeden Abend. Die Mädchen sassen auf einer Seite, die Jungs auf der anderen. Frau Garbujo hat uns Benimm beigebracht, also wie man zum Beispiel eine Dame zum Tanz auffordert, wie man darauf reagiert und wie man die Damen wieder an den Platz zurückgeleitet. Wir kicherten die ganze Zeit. Gegen Ende des Kurses hat sie sich einige der geeignetsten Jungen und Mädchen ausgesucht, um an ihrem alljährlichen Ball eine Charlestonshow darzubieten,. Charleston gehörte damals zum Welttanzprogramm. Werni Kipfer und ich gehörten zu den Auserkorenen. Das war natürlich eine grosse Ehre für uns. Nach dem Ball haben wir beschlossen, dass wir die Medalkurse zusammen besuchen würden. Wir haben es nicht ganz geschafft. Nach dem Silberabzeichen fand ein Turnier des TTKB's, der sogenannte Blumenball, der zugleich die Klubmeisterschaft war statt. Wir haben unerwarteterweise gewonnen, und waren plötzlich aktive Turniertänzer. Ein Jahr lang tanzten wir mit mehr oder weniger schlechten Resultaten in der C-Klasse, der untersten Klasse zu unserer Zeit. Deshalb hatten wir auch keine grossen Erwartungen in die Schweizermeisterschaft. Zu unserer grossen Überraschung sind wir aber gleich zwei Klassen aufgestiegen, und ein Jahr darauf waren wir in der S-Klasse. Werni hatte das Training bald satt und wollte wieder mehr Freizeit haben.
 
Nach zwei Partnerwechseln meinerseits und einigen Jahren dazwischen, haben wir uns aber dann doch wieder zusammengetan. und uns erfolgreich die Bronzemedailie an der Latein-SM 86 geholt. Bald darauf habe ich meine Tochter bekommen, und mich vom Tanzsport zurückgezogen. Gelegentlich allerdings habe ich Turniere gewertet, denn so ganz ohne Tanzen gings ja doch nicht. Anlässlich eines solchen Wertungsrichtereinsatzes im Kursaal Bern habe ich Bradley kennengelernt.
 
 
In einer Pause hat mich ein englischsprechender junger Mann ganz aufgeregt gefragt, ob ich wüsste, wie er eine Tanz-Partnerin finden konnte, er sei Australier und suche eine erfahrene Turniertänzerin. vorwiegend Standard, aber auch Latein. Ich habe ihn an unsere Präsidentin Brigitte Stäldi verwiesen, nichtsahnend, dass mein Schicksal schön in Person vor mir steht. An der Klubweihnacht des TTKB haben wir uns wiedergesehen. Brad war inzwischen dem Klub beigetreten, und hatte auch schon verschiedene Tryouts hinter sich. Erich Stäldi und Zumi haben dafür gesorgt, dass unsere Plätze nebeneinander waren, und haben uns den ganzen Abend sanft genötigt, bis wir uns schliesslich zu einem Tryout verabredeten. An unser erstes Standardtraining ging ich in hohen Pumps, einem engen Minijupe und meiner dreijährigen Tochter. Brad war durch nichts zu erschüttern, und liess sich nicht abschrecken.
 
Also war es beschlossene Tatsache, der TTKB hatte ein neues Standardpaar. Wir konnten gleich in die B-Klasse einsteigen da Brad in Australien A-Klasse getanzt hatte. Er machte sich also an die nicht ganz leichte Aufgabe, aus einer eingefleischten Lateintänzerin eine elegante Standarddame zu machen. Es ging nicht schlecht voran. Nachdem ich aber drei Monate lang nur Naturalturns und Feathersteps tanzen durfte, wurde ich stark an meine Ballettlehrerin erinnert, fehlte nur noch der Kleiderbügel. Ich sann auf Rache, und ging mit Brad Skifahren. Er kam nur 50 Meter weit, dann riss sein Kreuzband in der ersten Kurve. So hatte ich es nun auch nicht gemeint. Na ja Telemark ist eben nicht gleich Telemark. Einige Tage später wurde Bradley operiert und brauchte natürlich Pflege und jemand der sich um ihn kümmerte. Mir war das sehr recht, denn kochen konnte ich besser als die ewige Rechtsdrehung im Walzer. Nach drei Monaten durften wir trainieren, ich hatte ein paar Pfund zugenommen und einen neuen Lebenspartner gefunden. Liebe geht eben doch durch den Magen. Vor vier Jahren haben wir am Blumenball im Kursaal die Klubmeisterschaft gewonnen und traditionellerweise sollten wir den Honoursdance zeigen. Die Musik fing an, ich ging auf Bradley zu, da fragte er mich, ob ich ihn heiraten würde, ich war völlig perplex, und angesichts der vielen Leute, die sich allmählich fragten was wir da zu tuscheln hätten, blieb mir nichts anderes übrig, als ja zu sagen. Er hatte sich diesen Saal ausgesucht, weil das der Ort war, an dem wir uns zum erstenmal begegnet sind. Isnt it romantic? Als es mit meinen Feathersteps endlich vorwärts ging und wir im Standard im S waren, haben wir auch mit Latein angefangen und zweimal die Bronzemedaille an der 10-Tanz-SM geholt, Dreimal tanzten wir im Final der Seniors Latin in Blackpool und dreimal im Halbfinal der Seniors Ballroom. 95 war ein tolles Jahr. In Cervia und Miami haben wir bei den Senioren beide Disziplinen gewonnen, 97 wurden wir Vizeschweizermeister in Standard in der Hauptklasse und 98 Schweizermeister bei den Senioren I.